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Prof. Jörg Immendorff

Im Gespräch mit Jörg Immendorff (2014)

Die Ausstellung im Europäischen Kunsthof ab 8. März in Stolberg – Büsbach erinnert an Jörg Immendorff, einen der bedeutendsten deutschen Künstler des 20sten Jahrhunderts. Diese vorwiegend farbigen kleinen Offset – Lithografien mit Motiven seiner Bilder zu „Cafe Deutschland“ wurden von Jörg Immendorff während mehrerer Gespräche zwischen ihm und Angelika Kühnen für ein internationales Ausstellungsprojekt signiert. Hierbei handelte es sich um die Ausstellung „Rhein – Moskwa“, die 2002 mit großem Erfolg in der russischen Hauptstadt Moskau durchgeführt wurde. Neben diesen Arbeiten von Jörg Immendorff konnte Angelika Kühnen in Moskau Kunstwerke der Beuys-Schüler Felix Droese, Johannes Stüttgen und Hartmut „Haki“ Ritzerfeld zeigen. Alle Künstler haben das Ausstellungsprojekt mit einer Anzahl signierter Druckgrafiken unterstützt. Was zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war, ist die Tatsache, dass sich Jörg Immendorff im Anfangsstadium einer unheilbaren Muskelerkrankung befand. Die Gespräche zwischen Jörg Immendorff und Angelika Kühnen waren zwar auf die Ausstellung „Rhein – Moskwa“ zielgerichtet, bekamen dann aber einen sehr persönlichen Charakter. Die folgenden Interview-Texte sind Auszüge ihrer Gespräche während mehrerer Begegnungen in der Düsseldorfer Kunstakademie und dem Atelier Immendorffs. Der Fotojournalist Bernd Groten durfte diese Begegnungen fotografieren und die Gespräche festhalten mit der Maßgabe, sie erst nach dem Tode von Jörg Immendorff zu veröffentlichen.

A. Kühnen: „Professor Immendorff. Ich freue mich, dass Sie uns Ihre Zeit zur Verfügung stellen!“
J. Immendorff: „Kommen sie herein. Ich arbeite gerade an einer neuen Bilderreihe“
A. Kühnen: „Darf ich mir die neuen Arbeiten ansehen?“
J. Immendorff: „ Warum? Sie sind noch nicht fertig!“
A. Kühnen: „Sie wissen doch, dass Frauen immer neugierig sind! Und dazu bin ich auch noch Galeristin und möchte gerne einige der Arbeiten für Moskau haben.“
J. Immendorff: „Die können Sie nicht haben. Lassen sie uns zum Tisch gehen.“

Zu diesem Zeitpunkt war von einer Krankheit Immendorffs kaum etwas zu bemerken. Als Jörg Immendorff und Angelika Kühnen sich jedoch Wochen später letztmals an den großen Ateliertisch setzten, war eine Veränderung in Immendorffs Verhalten und Bewegungen zu bemerken.

A. Kühnen: „Professor Immendorff! Sie haben uns beim letzten Gespräch zugesagt, dass Sie mir für unser Projekt „ Rhein – Moskwa“ einige Druckgrafiken signieren wollten.“
J. Immendorff: „Warum sollte ich das tun?“
A. Kühnen: „Professor Immendorff. Sie wissen, dass ich Sie als Maler sehr schätze. Leider fehlen uns die Sponsoren, um eines Ihrer großen Werke kaufen zu können.“
J. Immendorff: „Frau Kühnen, ich habe schon einiges von Ihren Aktivitäten durch meine Schüler und von anderen Professoren der Akademie mitbekommen. Ich sehe es sehr positiv, dass Sie junge Maler in Ihrer Galerie ausstellen und auch sammeln.“
A. Kühnen: Professor Immendorff! Ich darf Sie auch wieder von Haki Ritzerfeld grüßen und mich mit einer Zeichnung bedanken, die er extra für Sie gemacht hat.“
J. Immendorff: „ Wie geht es ihm denn? Haki fiel auf. Der folgte dem Beuys, als wäre er für ihn ein Jesus Christus! Aber er hat trotzdem immer seine Malerei konsequent durchgezogen. - Kennen sie eigentlich die Geschichte, wo er bei einer Performance in einer Kneipe über mehrere Tische geflogen ist?“

Während dieses Gespräches signierte Immendorff zahlreiche Offset-Lithografien.

J. Immendorff: „Hier nehmen Sie! Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen signierten Blättern, hervorragend gelungene Druckgrafiken, bei Ihrem Projekt helfen kann! Ich mache das, weil Sie sich für junge Künstler, aber auch für Haki engagieren.“
A. Kühnen: „Professor Immendorff! Darf ich Sie etwas ganz persönliches fragen? Was ist mit Ihrem Arm?“
J. Immendorff: „Es gehört aber absolut nicht in die Presse! Alle Menschen müssen sterben! Wir auch Frau Kühnen! Ich aber weiß, wann ich sterben werde!“
A. Kühnen: „Woher wollen Sie das wissen?“
J. Immendorff: „Weil es für meine Krankheit keine Heilung gibt. Es ist eine Muskelschwäche, die bald meine Atemmuskeln erwischt. Dann ist es vorbei! Mehr können nicht einmal die Ärzte darüber sagen! Ersparen Sie mir jetzt ihr Mitleid!“
A. Kühnen. „Professor Immendorff! Vielen Dank für die Kunst, die sie uns gegeben haben. Herr Groten hat beim letzten Besuch in Ihrem Atelier einige Fotos gemacht. Würden sie mir diese bitte in Erinnerung an unsere Begegnungen ebenfalls signieren!?“

Im Jahre 2001 litt Professor Jörg Immendorff schon seit 4 Jahren an der Krankheit ALS, einer bislang unheilbaren Nerven- und Muskelschwächeerkrankung. In der Presse wurde auf Grund seiner Armlähmung zunächst über einen Schlaganfall spekuliert. Immendorff selbst hat sich erst sehr spät zu seiner Krankheit geäußert. Seine letzte großen Ausstellungen fanden im Jahre 2004/5 zeitgleich in Berlin und im Kunsthof Stolberg bei Angelika Kühnen statt. Professor Jörg Immendorff starb im Mai 2007 im Alter von 61 Jahren.

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